Karte zur Lieferantenbewertung von Verpackungen mit fünf Kriterien
Bild: Verpackungsrunde

Verpackungslieferanten

Teil von Verpackungslieferanten finden und bewerten: Kriterien und Quellen

5 Kriterien für die Auswahl von Verpackungslieferanten

Verpackungslieferanten Kriterien: Preis, Qualität, Lieferzeit, Zertifizierung und Nachhaltigkeit mit Bewertungsskalen und Gewichtung für die Lieferantenbewertung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf Kriterien strukturieren die LieferantenbewertungPreis, Qualität, Lieferzeit, Zertifizierung und Nachhaltigkeit.
  • Jedes Kriterium erhält eine Gewichtung, denn Transportverpackungen stellen andere Anforderungen als Verkaufsverpackungen.
  • Eine Skala von 1 bis 5 Punkten macht Angebote vergleichbar.
  • Beim Preis zählen die Gesamtkosten je Verpackung, nicht der Stückpreis allein.
  • Zertifikate gehören mit Ausstellungsdatum, Gültigkeit und Prüfstelle in die Lieferantenakte.

Kriterium 1: Preis und Gesamtkosten

Der Stückpreis ist nur ein Teil der Kosten. Wer Verpackungslieferanten vergleicht, rechnet Fracht, Mindestabnahmemenge, Lagerhaltung, Werkzeugkosten und Entsorgung mit. Diese Summe ergibt die Gesamtkosten je Verpackung.

Gesamtkosten je Faltkarton

Faltkarton A

Stückpreis
0,40 €
Anlieferung
0,08 €
Administration
0,03 €
Gesamtkosten
0,51 €

Faltkarton B

Stückpreis
0,37 €
Anlieferung
0,15 €
Administration
Gesamtkosten
0,52 €

Beispielrechnung, alle Beträge netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer: Faltkarton A kostet 0,40 Euro je Stück, die Anlieferung 0,08 Euro, die Administration 0,03 Euro. Faltkarton B kostet 0,37 Euro je Stück, die Anlieferung 0,15 Euro. Damit liegt A bei 0,51 Euro, B bei 0,52 Euro. Der scheinbar günstigere Karton ist in der Gesamtbetrachtung teurer.

Für die Preisentwicklung hilft der Blick auf die Konjunktur- und Strukturdaten des Statistischen Bundesamts zum Verarbeitenden Gewerbe.

Bewertungsskala: 5 Punkte erhalten Anbieter mit den niedrigsten Gesamtkosten im Vergleichsfeld, 1 Punkt Anbieter mit mehr als 15 Prozent Aufschlag auf den günstigsten Wert.

Kriterium 2: Qualität und technische Eignung

Qualität zeigt sich an Maßhaltigkeit, Materialstärke, Berstfestigkeit und Bedruckbarkeit. Prüfmerkmale kommen aus der technischen Zeichnung und aus der Wareneingangsprüfung. Die Reklamationsquote liefert den belastbarsten Wert.

Bewertungsskala: 5 Punkte für zwölf Monate ohne Reklamation, 4 Punkte bei einer Quote unter 0,5 Prozent, 3 Punkte unter 2 Prozent, 2 Punkte bei Nacharbeit im Einzelfall, 1 Punkt bei wiederkehrenden Störungen.

Beispiel: Ein Hersteller von Faltschachteln liefert seit 18 Monaten ohne Reklamation und erhält damit 5 Punkte. Ein Anbieter mit drei Störungen im Quartal landet bei 1 Punkt.

Kriterium 3: Lieferzeit und Versorgungssicherheit

Lieferzeit und Versorgungssicherheit entscheiden über die Produktionsplanung. Erfasst werden Lieferzeit in Werktagen, Termintreue in Prozent, Reaktionszeit auf Nachbestellungen und die Zahl freigegebener Zweitlieferanten.

Bewertungsskala: 5 Punkte bei über 98 Prozent Termintreue und Lieferzeit unter fünf Werktagen, 4 Punkte bis 95 Prozent, 3 Punkte bis 90 Prozent, 2 Punkte bis 85 Prozent, 1 Punkt darunter.

Bei wöchentlicher Bestellung reicht eine Termintreue von 90 Prozent nicht aus, denn jede zehnte Lieferung kommt zu spät. Wer nur einen Lieferanten führt, riskiert einen Bandstillstand.

Kriterium 4: Zertifizierung und Normen

Zertifizierungen belegen Managementsysteme, nicht einzelne Lieferungen. Verbreitet sind ISO 9001 für das Qualitätsmanagement, ISO 14001 für Umweltmanagement, BRCGS oder IFS für Lebensmittelkontakt sowie FSC und PEFC für Holz.

Für Kunststoffverpackungen mit Lebensmittelkontakt gilt die EU-Verordnung Nummer 10/2011, für Holzverpackungen im internationalen Handel der Standard ISPM 15. Der Normenausschuss Verpackungswesen (NAVp) im DIN erarbeitet Normen für Werkstoffe, Prüfverfahren und Begriffe.

Bewertungsskala: 5 Punkte für gültige Zertifikate aus akkreditierter Zertifizierung, 3 Punkte für ein glaubhaftes System ohne Zertifikat, 1 Punkt ohne Nachweise.

Kriterium 5: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit prüft Materialeinsatz, Rezyklatanteil, Recyclingfähigkeit und Mehrwegquote. Das Umweltbundesamt zu Verpackungen und Materialvergleichen beschreibt, wie sich Materialalternativen über den Lebensweg bewerten lassen. Die EU-Verpackungsverordnung erhöht die Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz.

Bewertungsskala: 5 Punkte bei sortenreinem Aufbau und Rezyklatanteil über 50 Prozent, 3 Punkte bei recyclingfähigem Aufbau ohne Rezyklat, 1 Punkt bei Verbundmaterial ohne Verwertungsweg.

Die Gewichtung hängt vom Verpackungstyp ab. Bei Verkaufsverpackungen mit Kundenkontakt zählt dieses Kriterium stärker als bei Transportverpackungen, die im Werk bleiben.

Gewichtung und Gesamtpunktzahl

Die fünf Einzelnoten werden mit Gewichten multipliziert und zur Gesamtpunktzahl addiert. Die Gewichte richten sich nach dem Verpackungstyp.

Gewichtung nach Verpackungstyp

  • Preis Transport30 %
  • Preis Verkauf20 %
  • Qualität Transport25 %
  • Qualität Verkauf30 %
  • Lieferzeit Transport25 %
  • Lieferzeit Verkauf20 %
  • Nachhaltigkeit Transport5 %
  • Nachhaltigkeit Verkauf15 %

Transportverpackung

Preis
30 Prozent
Qualität
25 Prozent
Lieferzeit
25 Prozent
Zertifizierung
15 Prozent
Nachhaltigkeit
5 Prozent

Verkaufsverpackung

Preis
20 Prozent
Qualität
30 Prozent
Lieferzeit
20 Prozent
Zertifizierung
15 Prozent
Nachhaltigkeit
15 Prozent

So läuft die Bewertung ab:

  1. Kriterien und Gewichte je Verpackungsposition festlegen
  2. Lieferantenakte mit Zertifikaten und Prüfberichten anlegen
  3. Muster anfordern und im Wareneingang prüfen
  4. Punkte je Kriterium vergeben
  5. Gesamtpunktzahl berechnen und Freigabe dokumentieren

Der Schwellenwert für die Freigabe liegt häufig bei 3,5 von 5 Punkten. Darunter folgt eine Nachbesserung mit Frist, bei 2 Punkten oder weniger eine Sperre.

Häufige Fragen

Wie viele Lieferanten sollte man bewerten?

Für jede Verpackungsposition sind mindestens zwei freigegebene Lieferanten sinnvoll. Bei lebensmittelnahen oder sicherheitsrelevanten Verpackungen bieten sich drei an.

Was tun, wenn ein Lieferant kein Zertifikat hat?

Ein fehlendes Zertifikat ist kein Ausschlusskriterium. Prüfberichte, Auditberichte und eigene Wareneingangsprüfungen können den Nachweis ersetzen, wenn sie dokumentiert sind.

Wie oft wird die Bewertung wiederholt?

Üblich ist ein jährlicher Rhythmus, bei neuen Lieferanten eine Zwischenbewertung nach sechs Monaten. Nach jeder größeren Reklamation wird das Kriterium Qualität neu bewertet.

Zählt Nachhaltigkeit auch bei Transportverpackungen?

Ja, aber mit geringerem Gewicht. Im Werk zählen Recyclingfähigkeit und Entsorgungskosten, im Handel zusätzlich die Wahrnehmung der Kunden.

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