Verpackungslieferanten
Teil von Verpackungslieferanten finden und bewerten: Kriterien und Quellen
Checkliste für die Lieferantenbewertung von Verpackungen
Checkliste Verpackungslieferanten: Prüfpunkte zu ISO 9001, FSC, Referenzen, Auditberichten, Preisgestaltung und Normen für Einkauf und Qualitätsmanagement.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zertifikate wie ISO 9001 und FSC immer mit Nummer, Gültigkeit und Zertifizierungsstelle abfragen.
- Referenzen, Auditberichte und Reklamationsquoten vor dem Erstauftrag prüfen.
- Preise auf Gesamtkosten je Verpackungseinheit umrechnen und Werkzeugkosten einbeziehen.
- Bewertung mit Gewichtung und Punktesystem dokumentieren, jährlich wiederholen.
- Umwelt- und Normenanforderungen als Pflichtkriterien festlegen, nicht als Kür.
Zertifikate und Nachweise prüfen
Verlangen Sie jedes Zertifikat als PDF mit Nummer, Ausstellungsdatum und Ablaufdatum. Prüfen Sie die Gültigkeit in der Datenbank der Zertifizierungsstelle. Eine Scankopie allein sagt nichts über den aktuellen Status.
ISO 9001 belegt ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem, ISO 14001 das Umweltmanagement. Für Verpackungen aus Holzfasern fordern Sie FSC- oder PEFC-Zertifikate nach Chain of Custody an.
Bei Lebensmittelkontakt gehören die Konformitätserklärung nach EU-Recht, für Kunststoffe die Verordnung 10/2011, und die BfR-Empfehlungen in die Akte. Lassen Sie Migrationstests mit Prüfparametern dokumentieren. Dokumentieren Sie jede Prüfung mit Datum und Prüfer in der Lieferantenakte. Setzen Sie Erinnerungen 90 Tage vor Ablauf eines Zertifikats.
Welche Materialien welche Umweltwirkung haben, ordnet das Umweltbundesamt in seinen Fachinformationen zu Verpackungen ein.
Referenzen, Audits und Leistungskennzahlen
Drei Referenzen aus vergleichbaren Projekten genügen für den ersten Eindruck. Fragen Sie nach Auftragsvolumen, Verpackungstyp und Laufzeit. Rufen Sie mindestens eine Referenz an, statt nur die Liste zu lesen.
Auditberichte der letzten 24 Monate zeigen, ob das Managementsystem im Alltag trägt. Achten Sie auf offene Abweichungen und deren Bearbeitungsstand. Unterscheiden Sie Systemaudit, Prozessaudit und Produktaudit. Bei neuen Werkzeugen gehört eine Erstmusterprüfung mit Maßprotokoll in die Freigabe.
Kennzahlen machen den Vergleich möglich:
- Reklamationsquote in ppm
- Liefertreue (OTIF) in Prozent
- Reaktionszeit bei Reklamationen in Stunden
- Fehlerkosten je Charge
- Status offener CAPA-Maßnahmen
Preise, Konditionen und Gesamtkosten
Der Stückpreis ist nur ein Baustein. Erfassen Sie Werkzeugkosten, Rüstkosten, Mindestbestellmenge, Fracht, Verpackungsentsorgung und Preisgleitklauseln auf Rohstoffindizes. Zahlungsziele und Incoterms beeinflussen die Kapitalbindung. Kalkulieren Sie Preisgleitklauseln mit einer Obergrenze, sonst tragen Sie das Rohstoffrisiko allein.
Beispielrechnung: Verpackung A kostet 0,08 Euro je Stück und erfordert ein Werkzeug für 4.000 Euro. Verpackung B kostet 0,10 Euro je Stück ohne Werkzeug. Bei 200.000 Stück pro Jahr liegen beide bei 20.000 Euro. Unter dieser Menge ist B günstiger, darüber A. Alle Beträge netto zuzüglich Umsatzsteuer.
Nachhaltigkeit und Entsorgung
Fragen Sie nach Materialeinsatz je Einheit, Recyclinganteil und Entsorgungskosten. Wer Folie reduziert, senkt Frachtvolumen und Abfallgebühren. Prüfen Sie, ob Mehrweg- oder Nachfüllsysteme möglich sind. Lassen Sie Stoffströme und Entsorgungswege schriftlich geben.
Ablauf der Bewertung in fünf Schritten
- Anforderungsprofil mit Muss- und Kann-Kriterien festlegen.
- Fragebogen, Zertifikate und Audits über ein Lieferantenportal anfordern.
- Unterlagen prüfen und Rückfragen in einer Frist von zehn Arbeitstagen bündeln.
- Audit oder Probelieferung mit definierten Abnahmekriterien durchführen.
- Punkte vergeben, Lieferant freigeben oder sperren, Termin für die Wiederholung setzen.
Bewertungskriterien und Gewichtung
| Kriterium | Gewichtung | Typischer Nachweis |
|---|---|---|
| Qualität | 30 Prozent | ISO 9001, Musterprüfung |
| Preis | 25 Prozent | Kostenaufstellung, Angebot |
| Liefertreue | 20 Prozent | OTIF-Statistik |
| Nachhaltigkeit | 15 Prozent | FSC, ISO 14001, Entsorgungskonzept |
| Service | 10 Prozent | Reaktionszeiten, Referenzen |
Vergeben Sie Punkte von 1 bis 5 je Kriterium. Unter 70 Prozent Gesamtscore folgt eine Sperre oder ein Probezeitraum mit Auflagen. Legen Sie fest, wer bewertet, wer freigibt und wo die Datei liegt.
Wer Verpackungsmaschinen mitbeschafft, findet beim VDMA einen Überblick über Verpackungsmaschinen und deren Investitionskosten. Welche Prüfverfahren und Normen anzuwenden sind, beschreibt DIN unter Normen anwenden. Übernehmen Sie die Normen in Ihre Prüfpläne, dann bleibt die Bewertung vergleichbar.
Häufige Fragen
Welche Zertifikate sind Pflicht?
Mindestens ISO 9001, bei Lebensmittelkontakt die Konformitätserklärung, bei Holzfasern FSC oder PEFC. Branchenstandards wie BRCGS Packaging Materials kommen je nach Abnehmer hinzu.
Wie oft muss ich neu bewerten?
Jährlich mit Stichprobe. Bei neuen Anlagen, Standortwechsel oder zwei schweren Reklamationen innerhalb von zwölf Monaten bewerten Sie sofort neu.
Reicht ein Fragebogen statt eines Audits?
Für niedriges Risiko ja. Bei Lebensmittelkontakt, hohen Stückzahlen oder sicherheitsrelevanten Verpackungen ist ein Vor-Ort-Audit nötig.
Wie prüfe ich die Preisgestaltung?
Rechnen Sie Kosten je 1000 Stück inklusive Werkzeug, Fracht und Entsorgung. Vergleichen Sie mit der Break-even-Menge und verlangen Sie Nachweise für Rohstoffindizes.