Verpackungsmaschinen
Verpackungsmaschinen: Typen, Normen und Investitionskosten
Verpackungsmaschinen im Überblick: Typen von Abfüllanlage bis Schrumpftunnel, Normen wie DIN EN 415 und CE, Investitionskosten von 20.000 bis 200.000 Euro netto.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Verpackungsmaschinen werden nach Verpackungsstufe unterschieden: Abfüllen, Form-Füll-Verschließen, Kartonieren, Schrumpfen, Palettieren und Wickeln.
- Die Normenreihe DIN EN 415 ordnet Sicherheitsanforderungen nach Bauarten; DIN EN ISO 12100 verlangt eine Risikobeurteilung.
- Die CE-Kennzeichnung bringt der Hersteller an, der Betreiber nimmt die Maschine in seine Gefährdungsbeurteilung auf.
- Die Preisspanne reicht von rund 20.000 Euro netto für halbautomatische Technik bis über 200.000 Euro netto für verkettete Abfüll- und Palettieranlagen.
- Die Gesamtkosten über den Lebenszyklus liegen oft beim Eineinhalb- bis Zweifachen des Kaufpreises.
Maschinentypen: Einordnung nach Verpackungsstufe
Verpackungsmaschinen lassen sich entlang der Verpackungsstufen ordnen. Die Primärverpackung umschließt das Produkt unmittelbar, die Sekundärverpackung fasst mehrere Einheiten zusammen, die Tertiärverpackung sichert die Ladung für Transport und Lagerung. Diese Ordnung hilft bei der Auswahl mehr als eine lange Liste einzelner Bauarten.
Der VDMA bündelt in seinem Fachbereich die Hersteller dieser Branche und beschreibt Markt, Technologien und Kennzahlen: Verpackungsmaschinen im VDMA. Wer die Verpackungsstufe kennt, kann die passenden Bauarten gezielt vergleichen.
Abfüll- und Dosieranlagen
Abfüllanlagen dosieren flüssige, pastöse oder rieselfähige Produkte in Flaschen, Dosen, Becher oder Beutel. Das Dosierprinzip entscheidet über Genauigkeit und Taktzeit: volumetrisch über Kolben und Zahnradpumpen, gravimetrisch über Waagen, über Durchflussmesser bei kontinuierlichem Strom.
Für Lebensmittel, Pharma und Kosmetik kommen Hygieneausführungen mit Edelstahl, Spaltfreiheit und Reinigungsautomatik hinzu. Aseptische Abfüllung arbeitet mit Sterilluft und Dampfbarrieren und treibt den Preis deutlich nach oben.
Typische Leistungen liegen zwischen 2.000 und 20.000 Flaschen pro Stunde. Eine halbautomatische Linie beginnt bei etwa 90.000 Euro netto, verkettete Anlagen mit Reinraumklasse übersteigen 300.000 Euro netto.
Form-, Füll- und Verschließmaschinen
Schlauchbeutelmaschinen ziehen eine Folie von der Rolle, formen daraus einen Schlauch, füllen das Produkt ein und verschließen die Naht. Vertikale Bauarten (VFFS) eignen sich für rieselfähige Güter, horizontale Bauarten (HFFS) für flache oder stückige Produkte.
Die Leistung reicht von 40 bis 120 Beuteln pro Minute, bei Mehrspurmaschinen deutlich darüber. Einfache VFFS-Anlagen kosten 35.000 bis 80.000 Euro netto, HFFS-Anlagen mit mehreren Stationen 80.000 bis 150.000 Euro netto.
Kartoniermaschinen und Sammelpacker
Kartoniermaschinen richten Faltschachteln auf, führen Produkt oder Beutel ein und verschließen den Karton mit Stecklaschen oder Heißleim. Wrap-around-Bauarten formen den Karton um das Produkt und sparen Kartonmaterial.
Sammelpacker bündeln mehrere Einheiten vor der Kartonage, etwa als Schrumpfbündel oder als Karton mit Innenteiler. Übliche Leistungen liegen zwischen 20 und 80 Kartons pro Minute, bei Getränken und Molkereiprodukten höher.
Für eine Kartoniermaschine mit Zuführung, Formatteilen und Steuerung sind je nach Ausstattung 60.000 bis 250.000 Euro netto üblich. Formatwechsel ohne Werkzeug und mit Rezepturverwaltung kosten Aufpreis, sparen aber Rüstzeit.
Schrumpftunnel und Schrumpfverpacker
Schrumpftunnel erwärmen eine Folienhülle, bis sie sich an das Packstück anlegt. Beheizte Stäbe oder Heißluft bringen die Folie auf Temperatur, anschließend kühlt ein Gebläse sie ab. Entscheidend sind Temperaturführung, Bandgeschwindigkeit und Luftführung.
Als Folien kommen Polyolefin, Polyethylen und seltener PVC zum Einsatz. Polyolefin lässt sich besser recyceln und dominiert bei Sichtverpackungen. Die Folienkosten pro Packstück gehören deshalb fest in die Betriebskostenrechnung.
Ein Schrumpftunnel mit Verpacker kostet je nach Breite und Leistung 20.000 bis 70.000 Euro netto. Die elektrische Anschlussleistung liegt häufig zwischen 15 und 40 Kilowatt, was im Mehrschichtbetrieb auf die Energiekosten wirkt.
Palettierer, Wickel- und Umreifungsmaschinen
Am Ende der Linie stapelt ein Palettierer Kartons oder Gebinde auf Paletten. Portal- und Knickarmroboter decken mittlere bis hohe Leistungen ab, Roboterzellen sind bei wechselnden Formaten flexibler. Ein Palettierroboter mit Zelle und Schutzeinrichtung liegt zwischen 80.000 und 200.000 Euro netto.
Wickelmaschinen fixieren die Ladung mit Stretchfolie. Vollautomatische Ringwickler mit Folienvorstreckung schaffen 20 bis 60 Paletten pro Stunde und kosten 15.000 bis 45.000 Euro netto. Umreifungsmaschinen für Kunststoffband starten bei rund 5.000 Euro netto.
Etikettier- und Kennzeichnungstechnik
Etikettierer spenden und positionieren Etiketten auf Produkt, Karton oder Palette. Spender, Servomotoren und Sensoren bestimmen die Genauigkeit. In Pharmazie und Lebensmittelwirtschaft kommen Serialisierung, Chargenkennzeichnung und Prüfsysteme hinzu, die jedes Etikett auf Lesbarkeit kontrollieren.
Inkjet-, Thermotransfer- und Laserdrucker markieren direkt auf der Verpackung. Lasersysteme arbeiten ohne Verbrauchsmaterial, benötigen aber geeignete Oberflächen. Je nach Anzahl der Druckköpfe liegen die Preise zwischen 20.000 und 90.000 Euro netto.
Zuführ-, Vereinzelungs- und Handhabungstechnik
Jede Verpackungslinie scheitert zuerst an der Zuführung. Vereinzelter, lageorientierter oder massegeführter Zulauf bestimmt, wie stabil eine Maschine läuft. Rüttelrinne, Wendelförderer, Steiggurt und Puffertisch sind die üblichen Bausteine.
Rechnen Sie Zuführtechnik und Puffer in die Investition ein. Sie kosten zwischen 10.000 und 60.000 Euro netto, verhindern aber Taktlücken, die eine teure Kartonieranlage sonst in den Stillstand zwingen.
Normen und Recht: DIN EN 415, CE und Betreiberpflichten
Normen sind keine Gesetze, aber sie konkretisieren den Stand der Technik. Wendet ein Hersteller harmonisierte Normen vollständig an, kann er davon ausgehen, dass seine Maschine die grundlegenden Anforderungen erfüllt. Wie beides zusammenspielt, erläutert DIN unter Zusammenspiel von Normen und Recht.
Die Normenreihe DIN EN 415
Die Reihe DIN EN 415 gliedert Sicherheitsanforderungen nach Bauarten. Teil 1 definiert Begriffe und Klassifikation, Teil 3 behandelt Form-, Füll- und Verschließmaschinen, Teil 4 Palettierer und Depalettierer, Teil 6 Palettenwickelmaschinen.
Weitere Teile betreffen Sammel- und Sekundärverpackungsmaschinen, Umreifungsmaschinen, Geräuschmessungen und allgemeine Anforderungen. Für Betreiber zählt: Die Teile benennen Schutzmaßnahmen, Mindestabstände und Prüfungen, die in Gefährdungsbeurteilung und Wartungsplan gehören.
Der Normenausschuss Verpackungswesen (NAVp) beim DIN betreut dieses Regelwerk und stimmt es mit europäischen Gremien ab: Normenausschuss Verpackungswesen. Wer die Teile kennt, fragt Angebote gezielt danach ab.
Daneben gelten übergreifende Normen. DIN EN ISO 12100 beschreibt die Risikobeurteilung, DIN EN 60204-1 die elektrische Ausrüstung, DIN EN ISO 13849-1 die sicherheitsbezogenen Steuerungsteile mit ihren Performance Level. Was eine Norm grundsätzlich ist, erklärt Grundlagen der DIN-Norm.
CE-Kennzeichnung: Pflichten von Hersteller und Betreiber
Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller, dass seine Maschine die Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG erfüllt. Grundlage sind Risikobeurteilung, technische Dokumentation, Betriebsanleitung in der Sprache des Nutzers und die Konformitätserklärung.
Der Betreiber darf eine Maschine ohne gültige CE-Kennzeichnung nicht in Betrieb nehmen. Er prüft Kennzeichnung, Konformitätserklärung und Betriebsanleitung und übernimmt die Maschine in seine eigene Gefährdungsbeurteilung.
Aus der Betriebssicherheitsverordnung folgen weitere Pflichten: Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, Prüfung vor Inbetriebnahme und wiederkehrende Prüfungen durch eine befähigte Person. Die Fristen ergeben sich aus Herstellerangaben, Gefährdung und Betriebsweise.
Arbeitsschutz in der Praxis
Feste trennende Schutzeinrichtungen decken Bereiche ab, die während des Betriebs nicht betreten werden. Bewegliche Schutzeinrichtungen mit Verriegelung sichern Türen, Klappen und Werkzeugräume. Lichtgitter und Scanner eignen sich für Zuführ- und Entnahmebereiche.
Für Reinigung und Formatwechsel braucht das Personal gefahrlose Zugänge. Im Gefahrenbereich darf sich niemand aufhalten, wenn Antriebe laufen. Sicherheitsfunktionen müssen auch nach einer Änderung an der Steuerung geprüft werden.
Die EU-Maschinenverordnung ab 2027
Die Verordnung (EU) 2023/1230 löst die Maschinenrichtlinie ab und gilt ab dem 20. Januar 2027. Sie erweitert die Pflichten unter anderem um digitale Betriebsanleitungen, Software und Cybersicherheit. Wer heute investiert, sollte klären, wie der Lieferant diese Übergänge begleitet.
Lebensmittelkontakt und Verpackungsrecht
Bei Lebensmittelverpackungen greifen zusätzlich die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, die Kunststoffverordnung (EU) Nr. 10/2011 und die GMP-Verordnung (EG) Nr. 2023/2006. In Deutschland ergänzen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch sowie Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung.
Das Verpackungsgesetz verpflichtet Hersteller systembeteiligungspflichtiger Verpackungen zur Registrierung und Mengenmeldung. Die EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 verschärft mit Übergangsfristen ab 2026 die Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Rezyklateinsatz. Maschinen müssen die daraus folgenden Materialien verarbeiten können.
Investitionskosten: Preisspannen, Preisbildung, Gesamtkosten
Die Anschaffungskosten hängen stärker von Automatisierungsgrad, Hygieneanforderung und Integrationstiefe ab als von der Bauart. Als Orientierung gilt ein Korridor von 20.000 bis 200.000 Euro netto für die meisten Einzelmaschinen. Verkettete Linien liegen darüber.
Alle Beträge sind Nettopreise in Euro ohne Umsatzsteuer; bei Investitionen kommt die Umsatzsteuer von 19 Prozent hinzu, die Unternehmen in der Regel als Vorsteuer geltend machen.
| Maschinentyp | Leistung | Preis netto |
|---|---|---|
| Umreifungsmaschine | 15 bis 30 Umreifungen pro Minute | 5.000 bis 20.000 Euro |
| Schrumpftunnel mit Verpacker | 15 bis 40 Packungen pro Minute | 20.000 bis 70.000 Euro |
| Schlauchbeutelmaschine | 40 bis 120 Beutel pro Minute | 35.000 bis 80.000 Euro |
| Kartoniermaschine | 20 bis 80 Kartons pro Minute | 60.000 bis 250.000 Euro |
| Palettierroboter mit Zelle | 6 bis 20 Zyklen pro Minute | 80.000 bis 200.000 Euro |
| Abfüllanlage | 2.000 bis 20.000 Flaschen pro Stunde | 90.000 bis 300.000 Euro |
Die Tabelle zeigt die übliche Spanne. Sonderausführungen mit Reinraum, Mehrspurigkeit oder Validierung liegen darüber, gebrauchte und generalüberholte Maschinen darunter.
Was den Preis nach oben treibt
- Hygiene- und Reinraumausführung mit Edelstahl, Spaltfreiheit und Reinigungsautomatik.
- Höhere Taktzeit durch Servoantriebe, Mehrspurigkeit und Puffersysteme.
- Formatvielfalt mit Werkzeugwechsel, Rezepturverwaltung und automatischer Justage.
- Dokumentation, Messprotokolle, Validierung und Ersatzteilpaket.
- Integration in bestehende Linien mit Schnittstellen zu Leitsystemen.
Auch Lieferzeiten wirken auf den Preis. Wer kurzfristig bestellt, zahlt Aufschläge oder nimmt eine ungünstige Ausstattung in Kauf. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Auftragseingang, Produktion und Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes und liefert damit eine Grundlage zur Einordnung von Konjunktur und Lieferfähigkeit: Industrie und Verarbeitendes Gewerbe.
Betriebskosten über den Lebenszyklus
Der Kaufpreis ist nur der sichtbare Teil. Über zehn Jahre summieren sich Energie, Folien, Ersatzteile, Wartung und Rüstzeiten zu einem Vielfachen der Anschaffung.
- Wartung und Ersatzteile: häufig drei bis acht Prozent des Kaufpreises pro Jahr.
- Energie und Druckluft: abhängig von Taktzeit, Heizleistung und Kühlung.
- Rüstzeiten: jede Stillstandstunde kostet Leistung und Personal.
- Personal: Bedienung, Reinigung, Qualitätskontrolle, Schichtbesetzung.
- Ausschuss und Nacharbeit: steigen bei instabiler Dosierung oder Folienführung.
Rechnen Sie mit dem Nutzungsgrad, nicht mit der Spitzenleistung. Eine Maschine, die 60 Prozent der Schicht läuft, erzeugt andere Stückkosten als eine Linie im Dreischichtbetrieb.
Rechenbeispiel: Amortisation einer Kartoniermaschine
Ein Betrieb kartoniert 25.000 Faltschachteln pro Schicht von Hand. Vier Mitarbeiter kosten vollkostenbelastet je 42.000 Euro pro Jahr, zusammen 168.000 Euro. Eine Kartoniermaschine mit Zuführung kostet 120.000 Euro netto, Montage und Schulung 15.000 Euro, zusammen 135.000 Euro.
Nach der Umstellung bedient eine Person die Anlage. Rechnen Sie mit 45.000 Euro Personalkosten, 6.000 Euro Wartung und Ersatzteilen sowie 2.500 Euro Energie im Jahr, also 53.500 Euro. Die jährliche Einsparung beträgt damit 114.500 Euro.
Daraus ergibt sich eine rechnerische Amortisationszeit von etwa 14 Monaten, denn 135.000 geteilt durch 114.500 ergibt rund 1,2 Jahre. Das ist eine vereinfachte Beispielrechnung ohne Kapitalkosten, Ausschuss und Instandhaltungsspitzen.
Bleibt die Auslastung geringer oder steigen die Rüstzeiten, verlängert sich die Amortisation schnell auf drei Jahre und mehr. Prüfen Sie deshalb drei Szenarien für Absatz, Schichtmodell und Formatwechsel.
Gebrauchtmaschinen, Refurbishment und Leasing
Generalüberholte Maschinen kosten häufig 40 bis 60 Prozent des Neupreises. Prüfen Sie vor dem Kauf Unterlagen, Baujahr, Ersatzteilversorgung und den Normenstand. Eine Maschine, die vor 1995 in Verkehr kam, erfüllt heutige Anforderungen meist nicht ohne Umbau.
Leasing senkt die Anfangsinvestition und bindet Kapital nicht dauerhaft. Dafür tragen Sie während der Laufzeit feste Raten, unabhängig von der Auslastung. Vergleichen Sie Leasing, Mietkauf und Kredit mit derselben Nutzungsdauer und denselben Restwerten.
Leistung bewerten: Taktzeit, OEE und Rüstzeit
Taktzeit und Leistungsangabe sind nicht dasselbe. Hersteller nennen oft die theoretische Spitzenleistung, während die wirtschaftlich relevante Größe die Anlageneffektivität ist. Sie verbindet Verfügbarkeit, Leistung und Qualität in einer Kennzahl.
Die Verfügbarkeit erfasst ungeplante Stillstände, etwa durch Folienrisse, Störungen an der Zuführung oder fehlendes Material. Die Leistungskomponente vergleicht die tatsächliche Taktzeit mit der geplanten. Die Qualitätskomponente zählt gute Packstücke im Verhältnis zur Gesamtmenge.
Rüstzeit ist der unterschätzte Faktor. Jeder Formatwechsel kostet Zeit, und bei loser Bestückung steigt der Aufwand. Automatische Justage, Werkzeugaufnahmen und Rezepturverwaltung verkürzen den Wechsel von Stunden auf Minuten.
Fragen Sie im Angebot nach nachgewiesenen Werten. Lassen Sie Verfügbarkeit, Rüstzeit je Formatwechsel und Ausschussquote im Abnahmeprotokoll festhalten. Damit werden Nachbesserungen messbar und Streitfälle selten.
Legen Sie Zielwerte vor der Bestellung fest. Sinnvoll sind Bandbreiten statt Punktwerten, etwa eine Verfügbarkeit von mindestens 85 Prozent und eine Rüstzeit unter 20 Minuten je Formatwechsel im Mehrschichtbetrieb.
Steuerung, Daten und Schnittstellen
Verpackungsmaschinen arbeiten heute mit speicherprogrammierbaren Steuerungen. Sicherheitsfunktionen laufen über eigene Sicherheitssteuerungen mit definiertem Performance Level. Diese Trennung ist Voraussetzung dafür, dass ein Not-Halt unabhängig von der Produktionslogik wirkt.
Für die Anbindung an übergeordnete Systeme haben sich Standards etabliert. OPC UA beschreibt den Datenaustausch, PackML liefert ein einheitliches Zustandsmodell für Verpackungslinien. Beides erleichtert die Einbindung in ein Manufacturing Execution System.
Fernwartung verkürzt Reaktionszeiten, schafft aber Angriffspunkte. Klären Sie vor der Freigabe, welche Zugriffe der Hersteller erhält, wie sie protokolliert werden und wer sie genehmigt.
Haltbar sind Daten nur mit klarer Zuständigkeit. Legen Sie fest, wer Rezepte pflegt, wer Änderungen an der Steuerung freigibt und wie Sicherungskopien aufbewahrt werden.
Zählen Sie die Schnittstellen auf, bevor Sie bestellen. Signale für Störung, Materialmangel, Takt und Freigabe müssen in beiden Richtungen definiert sein. Fehlt das, entsteht beim Anlauf Nacharbeit an der Elektroplanung.
Projektablauf: in fünf Schritten zur abgenommenen Maschine
- Anforderung festlegen. Beschreiben Sie Produktspektrum, Formate, Zielleistung, Umgebungsbedingungen, Hygiene, Medien, Platz und Schnittstellen in einem Lastenheft.
- Anbieter und Machbarkeit prüfen. Fragen Sie mindestens drei Hersteller an, besichtigen Sie vergleichbare Anlagen und lassen Sie die Risikobeurteilung erläutern.
- Wirtschaftlichkeit vergleichen. Rechnen Sie Kaufpreis, Montage, Schulung, Wartung, Energie und Rüstzeit über sieben bis zehn Jahre und legen Sie Auslastungsszenarien fest.
- Werksabnahme und Installation begleiten. Prüfen Sie beim Werksabnahmetest Leistung, Formatwechsel, Schutzeinrichtungen und Dokumentation, bevor die Maschine versandt wird.
- Abnahme und Betrieb absichern. Protokollieren Sie die Abnahme vor Ort, hinterlegen Sie Ersatzteilliste, Wartungsplan und Prüffristen und schulen Sie jede Schicht.
Werksabnahme und Abnahme vor Ort sind getrennte Termine. Der Werksabnahmetest prüft Funktion und Leistung im Herstellerwerk, die Abnahme vor Ort prüft das Zusammenspiel mit Zuführung, Etikettierung und Palettierung.
Planen Sie die Anlaufkurve ein. In den ersten Wochen liegt die Leistung oft unter dem Zielwert, weil Bedienung und Material noch nicht zusammenpassen. Vereinbaren Sie eine Begleitung durch den Hersteller und feste Kriterien für das Ende der Anlaufphase.
Förderung und Finanzierung
Investitionen in Verpackungsmaschinen zahlen Betriebe selten vollständig aus dem Cashflow. Neben Leasing, Mietkauf und gebrauchten Maschinen kommen Förderkredite der KfW infrage, die über die Hausbank beantragt werden: Förderung für Unternehmen.
Programme für Ausbau und Wachstum finanzieren Maschinen, Anlagen und zugehörige Investitionen. Konditionen hängen von Vorhaben, Bonität und Laufzeit ab: Unternehmen ausbauen oder erfolgreich starten.
Steuerlich laufen Maschinen über die Abschreibung. Üblich ist die lineare Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, die bei Verpackungsmaschinen meist zwischen acht und zwölf Jahren liegt. Kleine und mittlere Betriebe können zusätzlich einen Investitionsabzugsbetrag nach Paragraf 7g des Einkommensteuergesetzes bilden.
Prüfen Sie auch Bürgschaften der Bürgschaftsbanken der Länder und Zuschüsse für Energieeffizienz. Wichtig ist die Reihenfolge: Der Antrag steht vor Vertragsabschluss, sonst entfallen Fördermittel.
Kalkulieren Sie Finanzierung und Investition getrennt. Der Kaufpreis bestimmt die Abschreibung, die Finanzierung bestimmt die Liquidität. Beide Größen gehören in dieselbe Rechnung, sonst sieht ein Vorhaben rechnerisch günstiger aus, als es ist.
Häufige Fragen
Welche Normen sind für Verpackungsmaschinen wichtig?
Die Reihe DIN EN 415 mit Teilen für Form-Füll-Verschließmaschinen, Palettierer sowie Wickel- und Umreifungsmaschinen, dazu DIN EN ISO 12100 für die Risikobeurteilung, DIN EN 60204-1 für die elektrische Ausrüstung und DIN EN ISO 13849-1 für Sicherheitsfunktionen an Steuerungen.
Was kostet eine Verpackungsmaschine?
Halbautomatische Umreifungs- und Schrumpftechnik beginnt bei rund 20.000 Euro netto. Kartoniermaschinen mit Zuführung liegen zwischen 60.000 und 250.000 Euro netto, verkettete Abfüll- und Palettieranlagen übersteigen 200.000 Euro netto deutlich.
Wer darf das CE-Zeichen anbringen?
Der Hersteller oder der Inverkehrbringer, der die Verantwortung für Konformität und Dokumentation übernimmt. Der Betreiber darf keine Maschine ohne gültige Kennzeichnung und Konformitätserklärung in Betrieb nehmen.
Wie lange dauert die Amortisation?
Bei hoher manueller Vorlast und Mehrschichtbetrieb sind 12 bis 24 Monate realistisch. Bei geringer Auslastung, häufigem Formatwechsel oder hohen Rüstzeiten dauert es drei Jahre und länger.
Welche Prüffristen gelten für Verpackungsmaschinen?
Die Betriebssicherheitsverordnung nennt keine pauschalen Fristen. Maßgeblich sind Herstellerangaben, Gefährdungsbeurteilung und Betriebsbedingungen; üblich sind jährliche Prüfungen durch eine befähigte Person.
In diesem Leitfaden
- Verpackungsmaschinen im Vergleich: Vollautomatisch oder halbautomatischVergleich von vollautomatischen und halbautomatischen Verpackungsmaschinen: Anbieter, Anschaffungskosten, Durchsatz, Personalkosten und Amortisation.
- Was kostet eine Verpackungsmaschine? Anschaffung und BetriebWas kostet eine Verpackungsmaschine? Preisklassen von 8.000 bis 400.000 Euro netto, Betriebskosten pro Jahr und eine Beispielrechnung mit MwSt. und Förderung.
- Checkliste für die Auswahl von VerpackungsmaschinenCheckliste Verpackungsmaschinen: Prüfpunkte zu Taktzeit, DIN EN 415, CE-Kennzeichnung, Platzbedarf, Verkettung und Servicevertrag für die Maschinenauswahl.