Verpackungsmaschinen

Teil von Verpackungsmaschinen: Typen, Normen und Investitionskosten

Verpackungsmaschinen im Vergleich: Vollautomatisch oder halbautomatisch

Vergleich von vollautomatischen und halbautomatischen Verpackungsmaschinen: Anbieter, Anschaffungskosten, Durchsatz, Personalkosten und Amortisation.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vollautomaten von Syntegon, Rovema oder Gerhard Schubert übernehmen Zuführung, Formung, Verschluss und Austragung; bei Halbautomaten von Audion Elektro oder Multivac legt eine Bedienperson das Produkt ein.
  • Beispielannahmen netto: 40.000 bis 70.000 Euro für die halbautomatische Maschine, 150.000 bis 400.000 Euro für die vollautomatische Linie.
  • Durchsatz: 300 bis 800 Stück je Stunde halbautomatisch gegen 3.000 bis 12.000 Stück je Stunde vollautomatisch.
  • Personalkosten: 12,82 Euro Mindestlohn je Stunde plus rund 20 Prozent Arbeitgeberanteil, also etwa 15,40 Euro.
  • Beide Bauarten fallen unter die Normenreihe DIN EN 415 und die CE-Kennzeichnung; die Förderfähigkeit klärt man vor der Bestellung.

Anbieter und Bauarten im Überblick

Der Markt teilt sich in Linienhersteller mit durchgehend automatisiertem Programm und Anbieter, die halbautomatische Einstiegsgeräte liefern. Die folgende Auswahl nennt bekannte Maschinenbauer und ihren Schwerpunkt.

Anbieter Sitz Schwerpunkt Bauart
Syntegon Technology Waiblingen Schlauchbeutel- und Horizontalformfüller für Food und Pharma vollautomatisch
Rovema Fernwald vertikale Schlauchbeutelmaschinen vollautomatisch
Gerhard Schubert Crailsheim Roboter-Verpackungsmaschinen mit Werkzeugwechsel vollautomatisch
Multivac Wolfertschwenden Thermoformanlagen und Traysealer voll- und halbautomatisch
Audion Elektro Kleve Siegelgeräte und Schlauchbeutel der Einstiegsklasse halbautomatisch

Hinzu kommen Linienanbieter wie Krones aus Neutraubling für die Getränkeabfüllung und Beumer aus Beckum für Palettierung und Sackabfüllung. Kleine Lose mit vielen Formaten laufen häufig auf halbautomatischen Traysealern oder Schlauchbeutelgeräten, große Serien auf den Anlagen der Vollautomaten-Hersteller.

Der VDMA ordnet Verpackungsmaschinen nach Funktionen wie Abfüllen, Verschließen, Etikettieren und Palettieren und weist Investitionskosten je Maschinentyp aus (VDMA: Verpackungsmaschinen und Investitionskosten).

Beide Bauarten lassen sich in bestehende Linien einbinden. Der Vollautomat reagiert jedoch empfindlicher auf schwankende Produktqualität. Klemmt die Zuführung, fällt die effektive Taktzahl unter den Nennwert. Halbautomaten verzeihen solche Schwankungen eher, weil die Bedienperson nachlegt.

Vergleichskriterien und Kostenrahmen

Die folgende Übersicht listet die Größen, die in Angebote und Kalkulationen gehören. Die Spannen sind Beispielannahmen für eine Vorplanung, keine Marktpreise.

Kriterium Halbautomatisch Vollautomatisch
Anschaffung netto, Beispielannahme 40.000 bis 70.000 Euro 150.000 bis 400.000 Euro
Durchsatz, Beispielannahme 300 bis 800 Stück je Stunde 3.000 bis 12.000 Stück je Stunde
Bedienpersonal je Schicht 1 bis 2 Personen 0,5 bis 1 Person
Rüstzeit je Formatwechsel 10 bis 20 Minuten 20 bis 60 Minuten
Passende Losgröße kleine und mittlere Serien große Serien, Mehrschichtbetrieb

Die genannten Anschaffungswerte sind Nettobeträge zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer. Neben dem Kaufpreis zählen Abschreibung, Wartung, Energie, Ersatzteile und Rüstzeiten. Ein Stückkostenvergleich allein auf Basis des Nenndurchsatzes überschätzt den Vollautomaten, weil Rüstzeit und Stillstand dort stärker durchschlagen. Maßgeblich ist die effektive Leistung über ein Jahr.

Beispielrechnung zur Amortisation

Die Rechnung nutzt angenommene Werte und ersetzt keine Angebotskalkulation.

  1. Mehrinvestition gegenüber der halbautomatischen Lösung: 200.000 Euro netto.
  2. Personaldifferenz: 1,5 Vollzeitstellen je Schicht.
  3. Personalkosten je Stunde: 12,82 Euro Mindestlohn plus rund 20 Prozent Arbeitgeberanteil, also etwa 15,40 Euro.
  4. Jahresstunden je Schicht: 250 Arbeitstage mal 8 Stunden, also 2.000 Stunden; die Einsparung beträgt 1,5 mal 2.000 mal 15,40 Euro, also 46.200 Euro je Jahr.
  5. Statische Amortisation: 200.000 geteilt durch 46.200, also rund 4,3 Jahre im Einschichtbetrieb.

Im Zweischichtbetrieb verdoppelt sich die Personaleinsparung, während die Maschinenkosten einmal anfallen. Die Amortisationsdauer sinkt damit auf etwa zwei Jahre, in drei Schichten auf rund anderthalb Jahre, sofern Auslastung, Wartung und Ersatzteilversorgung das tragen.

Personal, Qualifikation und Fördermittel

Seit dem 1. Januar 2025 gilt der gesetzliche Mindestlohn von 12,82 Euro je Stunde. Für Zuführ- und Abnahmeaufgaben ist das die Untergrenze; Zuschläge für Nacht- und Schichtarbeit kommen hinzu. Tarifgebundene Betriebe rechnen mit höheren Stundensätzen. Für 2026 ist eine Anhebung auf 13,90 Euro je Stunde beschlossen, was die Personaleinsparung des Vollautomaten erhöht.

Vollautomaten verlangen Personal für Steuerungstechnik, Formatwechsel und Störungsanalyse. Halbautomatische Linien kommen mit kurzer Einarbeitung aus. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht für das Verarbeitende Gewerbe Konjunktur- und Strukturdaten zu Beschäftigten, Umsatz und Investitionen; diese Werte taugen als Maßstab für eigene Planannahmen (Industrie und Verarbeitendes Gewerbe beim Statistischen Bundesamt).

Die Förderdatenbank des Bundes filtert Programme von Bund, Ländern und EU nach Zielgruppe und Vorhaben, darunter Investitionen in Maschinen und Anlagen (Förderdatenbank des Bundes). Für Unternehmen kommen daneben die Inlandsförderprogramme der KfW in Frage, die Investitionskredite und Zuschüsse bündelt (Förderung für Unternehmen bei der KfW).

Praktisch ist diese Reihenfolge: erst Förderfähigkeit klären, dann Angebote vergleichen, dann die Finanzierung festlegen. Eine Bewilligung vor der Bestellung ist meist Voraussetzung. Die Normenreihe DIN EN 415 beschreibt Sicherheitsanforderungen an Verpackungsmaschinen, die CE-Kennzeichnung ist für die Inbetriebnahme in der EU Pflicht.

Häufige Fragen

Ab welcher Stückzahl lohnt sich eine vollautomatische Verpackungsmaschine?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Im Rechenbeispiel trägt die Personaleinsparung rund 46.200 Euro je Jahr im Einschichtbetrieb. Hinzu kommt der höhere Durchsatz, der bei großen Serien die Stückkosten senkt.

Wie viel Personal bindet eine halbautomatische Linie?

Je nach Produkt und Takt eine bis zwei Personen pro Schicht. Vollautomaten benötigen etwa eine halbe bis eine Stelle für Überwachung, Rüstung und Störungsbehebung.

Welche Hersteller bieten halbautomatische Maschinen an?

Audion Elektro in Kleve liefert Siegelgeräte und Schlauchbeutelgeräte der Einstiegsklasse. Multivac bietet Traysealer in halbautomatischer Bauart. Vollautomaten kommen unter anderem von Syntegon, Rovema und Gerhard Schubert.

Welche Kostenpositionen gehören in die Nettokalkulation?

Maschinenpreis, Zuführung, Formatteile, Steuerung, Montage, Inbetriebnahme, Schulung, Ersatzteilpaket sowie bauliche Anpassungen wie Absaugung und Anschlüsse.

Ist der höhere Nenndurchsatz immer ein Vorteil?

Nein. Der Nennwert gilt nur bei stabiler Zufuhr. Rüstzeiten, Formatwechsel und kurze Stillstände senken die effektive Leistung, besonders bei kleinen Losen und häufigen Sortenwechseln.

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